Leitfaden für den Notfallaustausch: Was tun, wenn eine SPS oder ein Servo ausfällt?

Wenn eine Maschine unerwartet stillsteht, kann der Austausch der SPS oder des Servoantriebs wie der schnellste Weg zurück zur Produktion erscheinen. Das Bauteil, das den Fehler anzeigt, kann jedoch auf ein Problem an anderer Stelle im System reagieren.

Inhaltsverzeichnis

Die richtige Reaktion im Notfall besteht darin, die Maschine in einen sicheren Zustand zu versetzen, Fehlernachweise zu sichern, die ausgefallene Komponente zu identifizieren, den Ersatz zu prüfen und die Maschine nach einem kontrollierten Plan wieder in Betrieb zu nehmen.

Dieser Leitfaden hilft Instandhaltung und Einkauf, diesen Ablauf zu koordinieren. Er bietet einen allgemeinen Entscheidungsrahmen; maßgeblich für die erforderlichen Prüfungen und Austauschverfahren sind die Anweisungen des Maschinenherstellers und die Handbücher der konkret eingesetzten Geräte.

1. Maschine vor der Fehlersuche in einen sicheren Zustand versetzen

Stellen Sie vor dem Abklemmen von Geräten oder Öffnen von Anschlüssen einen sicheren Wartungszustand her.

Die britische Arbeitsschutzbehörde Health and Safety Executive (HSE) empfiehlt, Anlagen vor Wartungsarbeiten anzuhalten, relevante Energiequellen zu isolieren, ein unbeabsichtigtes Wiedereinschalten zu verhindern und gespeicherte Energie zu berücksichtigen. Außerdem weist sie darauf hin, dass absturzgefährdete Maschinenteile gesichert und qualifizierte Fachkräfte eingesetzt werden müssen. Diese Grundsätze ergänzen die jeweils geltenden lokalen Anforderungen. HSE: Wartung von Arbeitsmitteln

Bei einem Vorfall mit einer SPS oder einem Servosystem muss der Wartungsplan elektrische Energie, mechanische Bewegungen, hängende Lasten sowie pneumatische oder hydraulische Energie berücksichtigen.

Befolgen Sie vor dem Berühren elektrischer Anschlüsse die im jeweiligen Antriebshandbuch beschriebene Entlade- und Spannungsprüfprozedur. Ein dunkles Display oder ein deaktivierter Status bedeutet nicht, dass das Gerät sicher berührt werden kann.

Diagnoseinformationen nur erfassen, wenn dies gefahrlos möglich ist. Das Sichern der Alarmhistorie darf niemals eine Maßnahme verzögern, die zum Schutz von Personen erforderlich ist.

2. Fehlernachweise vor Reset oder Ausbau der Hardware sichern

Sobald unmittelbare Gefahren unter Kontrolle sind, erstellen Sie eine kurze Störfalldokumentation. So lässt sich der ursprüngliche Fehler besser von Alarmen unterscheiden, die durch den Maschinenstillstand entstanden sind.

Erfassen Sie:

  • Vollständigen Alarmcode, Untercode und Meldung.
  • Zustände der Anzeigen von SPS, Antrieb und Netzwerk.
  • Den Maschinenablauf, der beim Auftreten des Fehlers aktiv war.
  • Ob eine Achse, eine Station oder die gesamte Maschine gestoppt hat.
  • Kürzlich vorgenommene Änderungen an Verdrahtung, Software, Mechanik oder Stromversorgung.
  • Bereits durchgeführte Resets, Netz-Aus/Ein-Zyklen oder Parameteränderungen.
  • Modellnummern, Seriennummern und relevante Revisionsstände der Geräte.

Bewahren Sie eine Kopie des neuesten verfügbaren Maschinenprojekts und der Parameterdateien auf. Sofern sicher und unterstützt, sichern Sie die aktuelle Konfiguration getrennt vom letzten bekannten funktionsfähigen Backup.

Überschreiben Sie das funktionsfähige Backup nicht mit einem ungeprüften Upload von der fehlerhaften Maschine. Kennzeichnen Sie Dateien mit Maschinenbezug, Datum, Softwareversion und Quelle, damit das Wiederherstellungsteam jede Datei eindeutig zuordnen kann.

Eine hilfreiche Übergabe beschreibt die Reihenfolge: „Achse stoppte während der Beschleunigung; zuerst erschien der Antriebsalarm; die SPS lief weiter.“ „Servo defekt“ liefert deutlich weniger Information.

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3. Prüfen, ob die SPS- oder Servo-Hardware tatsächlich ausgefallen ist

Eine stillstehende Maschine ist ein Symptom. Daraus lässt sich nicht ableiten, welche Komponente ersetzt werden muss.

Die folgende Tabelle nennt Bereiche, die anhand der jeweils geltenden Herstellervorgaben geprüft werden sollten. Sie dient als Ausgangspunkt für qualifizierte Fehlersuche, nicht als Diagnose.

Beobachteter ZustandVor einer Hardwarebestellung zu prüfende Bereiche
SPS-Anzeigen sind dunkelEinspeisung, Steuerspannung, Schutzgeräte, Anschlüsse und SPS-Netzteil
SPS läuft, aber die Maschine startet keinen ZyklusMaschinenfreigaben, Eingangszustände, Kommunikation, Ablaufbedingungen und angeschlossene Geräte
Servoantrieb zeigt einen deaktivierten ZustandFreigabebedingungen, Status des Sicherheitssystems und erforderliche Versorgungsbedingungen
Servo meldet Überlast- oder TemperaturfehlerMechanische Last, Schwergängigkeit, Einschaltdauer, Kühlung sowie relevante Motor- oder Antriebsdiagnose
Servo meldet einen RückführungsfehlerFeedback-Kabel, Steckverbinder, Konfiguration und Rückführsystem des Motors
Mehrere Geräte fallen gleichzeitig ausGemeinsame Versorgung, Netzwerkinfrastruktur oder ein anderes gemeinsames vorgelagertes Ereignis

Zum Beispiel, Schneider Electric’s Hinweise zu einer „DIS“-Bedingung beim Lexium 32 lenken die Aufmerksamkeit auf den Status der Sicherheitseingänge und die Netzversorgungsbedingungen. Dieses Beispiel zeigt, warum ein deaktivierter Antrieb nicht automatisch als defekte Hardware eingestuft werden sollte. Diese Prüfungen gelten speziell für diese Produktfamilie und rechtfertigen kein Überbrücken eines Sicherheitskreises. Schneider Electric: Diagnose von „DIS“ bei Lexium-32-Antrieben

Ein Austausch ist ein sinnvoller nächster Schritt, wenn die entsprechende Diagnose auf eine defekte Komponente hinweist und Bedingungen beseitigt wurden, die das Ersatzteil beschädigen könnten.

Bleibt die Ursache unklar, übergeben Sie die Störfalldokumentation an den Maschinenbauer oder den technischen Support des Herstellers. Wiederholter Komponententausch ohne Eingrenzung des Fehlers kann die Stillstandszeit verlängern und das Ersatzteil gefährden.

4. Ersatz vor Freigabe des Versands prüfen

Im Notfall sollten Instandhaltung und Einkauf mit derselben Gerätespezifikation arbeiten. Ein Foto der Frontplatte oder eine unvollständige Modellnummer reicht nur selten aus.

Checkliste für den SPS-Austausch

Vollständige Bestellnummer einschließlich Suffix bestätigen und anschließend prüfen:

  • Hardware-Revision und unterstützte Firmware.
  • Version der Engineering-Software und Zugriff auf das editierbare Projekt.
  • Kompatibilität von Netzteil sowie Rack oder Basiseinheit.
  • Lokale und dezentrale E/A-Konfiguration.
  • Kommunikationsschnittstellen und erforderliche Netzwerkeinstellungen.
  • Anwendungsspezifische Anforderungen an Speicher, Lizenzen oder Erweiterungen.
  • Wiederherstellungsplan für remanente Werte und Maschineneinstellungen.

Das Produktkompatibilitäts- und Download-Center von Rockwell Automation (Product Compatibility and Download Center) unterstützt bei der Prüfung von Produktkombinationen, Firmware, Software und zugehörigen Kompatibilitätsinformationen. Dies verdeutlicht, dass eine rein mechanische Passform allein keine geeignete SPS-Ersatzlösung bestätigt. Rockwell Automation: Produktkompatibilität und Migration

Gehen Sie nicht davon aus, dass die neueste Firmware die schnellste Wiederherstellung ermöglicht. Verwenden Sie eine Version, die vom Controller, den Engineering-Werkzeugen und der Maschinenanwendung unterstützt wird.

Auch ein Projekt von einer anderen Maschine muss geprüft werden. Ähnliche Maschinen können unterschiedliche E/A-Zuordnungen, Optionen, Kalibrierwerte oder Netzwerkidentitäten haben.

Checkliste für den Austausch von Servoantrieb und Motor

Zuerst feststellen, was ersetzt wird: Antrieb, Motor, Rückführsystem, Kabel oder ein anderer Teil der Achse.

Beim Austausch eines Antriebs die vollständige Modellbezeichnung, Versorgungsanforderungen, freigegebene Motorkompatibilität, Feedback-Schnittstelle, Kommunikationsoption und relevante Sicherheitskonfiguration prüfen.

Beim Austausch eines Motors die freigegebene Antriebskombination, elektrischen Kenndaten, Encodertyp, Bremsoption, Einbaumaße, Wellenanordnung und Steckerkonfiguration prüfen.

Die Schneider-Electric-Anleitung zum Motoraustausch beim Lexium 32S weist ausdrücklich darauf hin, dass mechanisch passende Steckverbinder keine Freigabe der Motor-Antriebs-Kombination belegen. Außerdem sind nach dem Austausch die Encoder-Einstellungen zu beachten. Diese Anforderungen sind modellspezifisch und im jeweiligen Handbuch zu prüfen. Schneider Electric: Motoraustausch beim Lexium 32S

Ein alternatives Modell sollte vor dem Kauf einer dokumentierten Kompatibilitätsprüfung unterzogen werden. Dringende Verfügbarkeit ersetzt keine technische Freigabe.

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5. Wiederherstellungsdateien und Installationsprotokoll vorbereiten

Ein kompatibles Ersatzteil ist nur ein Teil des Wiederherstellungspakets.

Vor der Installation festlegen, welche Informationen wiederhergestellt werden müssen und wer dafür verantwortlich ist.

ErsatzVorbereitete Wiederherstellungsinformationen
SPS-CPUFreigegebenes Projekt, kompatible Software, E/A-Konfiguration, Netzwerkeinstellungen und relevante remanente Daten
ServoantriebFreigegebenes Parameter-Backup, Motorauswahl, Kommunikationseinstellungen und maschinenspezifische Achskonfiguration
ServomotorFreigegebene Zuordnungsinformationen, Feedback-Konfiguration und erforderliches Verfahren zur Prüfung des Positionsbezugs
Kommunikations- oder E/A-ModulModulkonfiguration, Adressierung und Abhängigkeiten im Maschinenprojekt

Vor dem Ausbau Verdrahtungskennzeichnungen und Anschlussdokumentation gemäß Geräteanweisung sichern. Bezeichnungen und Seriennummern der ausgebauten und eingebauten Geräte dokumentieren.

Nehmen Sie beim Austausch nicht mehrere voneinander unabhängige Änderungen gleichzeitig vor. Wenn Hardware, Firmware, Verdrahtung und Programmlogik zugleich geändert werden, wird die Ursachenfindung bei verbleibenden Problemen schwieriger.

Ist eine Änderung unvermeidbar, dokumentieren Sie sie ausdrücklich im Wiederherstellungsplan.

6. Vor Produktionsfreigabe schrittweise wieder in Betrieb nehmen

Dass ein Ersatzteil ohne Alarm hochfährt, ist nur eine erste Prüfung. Für die Produktionsfreigabe muss nachgewiesen sein, dass die Maschine mit dem eingebauten Ersatz korrekt arbeitet.

Verwenden Sie das Inbetriebnahmeverfahren des Maschinenbauers und weisen Sie jeder Phase eine verantwortliche Person zu.

PhaseWas das Team bestätigen muss
InstallationsprüfungRichtiges Gerät, Anschlüsse, Montage, Erdung und weitere modellspezifische Installationsanforderungen
Kontrolliertes EinschaltenErwarteter Gerätestatus, richtige Anwendung oder Konfiguration und stabile Kommunikation
FunktionsprüfungenRelevante Ein- und Ausgänge, Freigaben und Maschinenfunktionen verhalten sich wie vorgesehen
SicherheitsprüfungBetroffene Sicherheitsfunktionen wurden gemäß dem geltenden Validierungsverfahren geprüft
AchsenprüfungRichtung, Referenzposition, Verfahrgrenzen und bremsbezogenes Verhalten entsprechen, soweit zutreffend, dem freigegebenen Verfahren
ProzessprüfungDie Maschine führt repräsentative Abläufe mit akzeptablen Prozessergebnissen aus
ProduktionsfreigabeDie verantwortliche Person dokumentiert die Abnahme und verbleibende Einschränkungen

Verwenden Sie keine erzwungenen Ausgänge, überbrückten Verriegelungen oder improvisierten Bewegungsbefehle, um diesen Prozess zu beschleunigen.

Bei Servoarbeiten für jeden Bewegungstest das freigegebene Verfahren befolgen. Geeignete Bedingungen hängen von Maschine, Last, Achsanordnung und Schutzmaßnahmen ab. Es gibt keine universelle Jog-Sequenz, die sicher auf jede Anlage angewendet werden kann.

Tritt ein Alarm erneut auf, stoppen Sie und bewerten Sie die Hinweise neu. Wenn das Ersatzteil denselben Fehler zeigt, kann dies auf ein ungelöstes Systemproblem hinweisen.

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Häufig gestellte Fragen

Befolgen Sie das Fehlerverfahren des Herstellers. Ein Reset kann sinnvoll sein, nachdem die zugrunde liegende Ursache behoben wurde; das Löschen eines Alarms beweist jedoch nicht, dass die Ursache verschwunden ist. Sichern Sie, sofern gefahrlos möglich, zunächst verfügbare Diagnoseinformationen und untersuchen Sie wiederkehrende Fehler statt wiederholt zu resetten.

Gehen Sie nicht davon aus. Klären Sie zuerst, wie die richtige Maschinenanwendung und Konfiguration wiederhergestellt werden, bevor ein neuer Controller als vollständige Lösung betrachtet wird. Ist das Projekt nicht verfügbar, wenden Sie sich an den Maschinenbauer oder den verantwortlichen Steuerungstechniker, um einen freigegebenen Wiederherstellungsweg festzulegen.

Nur wenn Diagnose oder freigegebener Austauschplan dies vorsehen. Ein vom Antrieb gemeldeter Fehler kann vom Motor, Rückführsystem, der Verkabelung, mechanischen Last oder einem anderen Teil der Anlage ausgehen. Identifizieren Sie die betroffene Komponente und prüfen Sie die freigegebene Antrieb-Motor-Kombination.

Speichern Sie das geprüfte funktionsfähige Projekt und die Parameter, aktualisieren Sie die Dokumentation der installierten Geräte und erfassen Sie Fehlerursache sowie Korrekturmaßnahme. Prüfen Sie, ob Ersatzteilbestand, Backups oder Reaktionsverfahren vor dem nächsten Vorfall verbessert werden sollten.

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Einkauf mit dem Wiederherstellungsplan koordinieren

Senden Sie eine Ersatzteilanfrage, sobald die Instandhaltung die benötigte Komponente identifiziert hat, und setzen Sie parallel die freigegebenen Wiederherstellungsvorbereitungen fort.

Eine aussagekräftige Anfrage enthält die vollständige Modellbezeichnung, Menge, relevante Revisionsanforderungen, Lieferadresse, benötigtes Ankunftsdatum und die Angabe, ob eine Alternative infrage kommt.

Lassen Sie sich vom Lieferanten den tatsächlich angebotenen Artikel, dessen Zustand, Verfügbarkeit und Versandtermin bestätigen. Trennen Sie die Versandplanung vom Zeitpunkt, zu dem die Maschine wieder in Betrieb gehen kann; Installation und Inbetriebnahme benötigen zusätzliche Zeit.

Für Unterstützung bei der Beschaffung senden Sie diese Angaben an Kwoco und lassen Sie sich die vorgeschlagene Komponente sowie Lieferoptionen bestätigen, bevor Sie bestellen.

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